Schaltzentrale Gehirn - Gedächtnis

Unser Gehirn ist ständig über das, was um uns (über die fünf Sinne) und in uns (Propriozeption…) vor sich geht, informiert. Wie ein Computer analysiert und bearbeitet es diese Unmengen an Informationen, indem es sie mit allen bis dahin gespeicherten Daten vergleicht.

In einer Stresssituation sucht das Gehirn (nach dem Motto „wir haben ein Problem“) alle möglichen Daten, Informationen und Programme nach einer Lösung (auf körperlicher Ebene) ab. Es löst augenblicklich die bestmögliche Reaktion oder das erfahrungsgemäß beste Verhalten aus, wobei das Gehirn immer nur die eine Aufgabe hat, uns und unsere Art am Leben zu erhalten.

In unserem Gehirn sind hauptsächlich drei Sorten von Daten gespeichert, die es in einer Stresssituation abruft:

  1. Alles, was wir selbst erlebt haben, von der Geburt bis heute.
    Alle Erfahrungen und Erlebnisse mit den dazu gehörigen Emotionen und Wahrnehmungen sind im Archiv gespeichert und jederzeit abrufbar. Sobald die Stresssituation in der Gegenwart an ein Erlebnis aus der Vergangenheit erinnert, verhält man sich automatisch so, wie es einem die Vergangenheit diktiert.

    Wir werden also in der Gegenwart ständig von den Bildern, Körper- und Sinneswahrnehmungen und den sie begleitenden Emotionen geleitet, die unser Gehirn in früheren Situationen gespeichert hat. Von besonderer Bedeutung sind dabei die Gefühle. Sie sind quasi die Essenz unserer Vorerfahrung und helfen uns, in der gegenwärtigen Situation schneller reagieren zu können, bzw.  entscheiden zu können, wie wir reagieren. Erinnern Sie sich: Es geht dem Gehirn immer um das Überleben.
    Unser emotionales Gedächtnis – auch limbisches System genannt –, das auf diese Art und Weise unser Verhalten steuert, besteht aus einer Vielzahl von neurologischen Strukturen. Dieses sehr komplexe System möchte ich jedoch an dieser Stelle nicht weiter ausführen. Interessierte Leser finden dazu ausführliche Informationen in dem Buch „Descartes Irrtum“ von Antonio R. Damasio.

    Beispiel: An einer bestimmten Kreuzung habe ich vor zehn Jahren einen Unfall verursacht, weil ich die Rechtsvorfahrt nicht beachtet habe. Noch heute jedes Mal, wenn ich an diese Kreuzung komme, schaue ich dreimal nach rechts, um mich zu vergewissern, dass von dort kein Auto kommt. Das ist absolut logisch, aber auf keinen Fall intelligent, weil - statistisch gesehen - die Chancen, dass ich an drselben Kreuzung auf dieselbe Art und Weise noch einmal einen Unfall haben könnte, sehr gering sind. Eine intelligente Reaktion darauf wäre gewesen, dass ich auch in Zukunft an anderen Kreuzungen auf die Rechtsvorfahrt achte, aber da fahre ich genau so unvorsichtig wie vorher, mein Gehirn reagiert ja dort nicht. 
    Diese vorsichtige Verhaltensweise ist eine vollkommen bewusste Reaktion. Wenn ich mich an dieser Kreuzung dreifach vergewissere, weiß ich ganz genau, weshalb ich das tue. Unser Gehirn funktioniert aber ständig auf diese Art uns Weise und meistens ohne dass wir es bewusst merken, ohne dass wir unser Verhalten bewusst mit einem ursächlichen Erlebnis in der Vergangenheit in Verbindung bringen.
     
  2. Alles, was gewesen ist, als wir im Bauch unserer Mutter waren, gezeugt, getragen und geboren wurden, ist lückenlos in unserem Gehirn (und unseren Zellen) festgehalten.
    Die hormonalen Reaktionen der Mutter in gewissen Stresssituationen prägen das Kind. Es „merkt sich“, wie seine Eltern mit Stress umgehen. Später wird sein eigenes (Stress)-Verhalten davon abhängen.
     
    Beispiel:
    Klara (4) legte im Kindergarten ein sonderbares Verhalten an den Tag, sie wollte nicht mit den anderen mit tanzen und singen, sie stellte sich abseits. Die Mutter sagte mir, dass sie das nicht verstehe, da Klara zu Hause den ganzen Tag vor sich hin singe, wenn sie z.B. mit ihren Puppen spiele.
    Klara hat ihr Verhalten ganz geändert, nachdem ihr Programm gefunden und korrigiert wurde. Während der Schwangerschaft hatte sie Folgendes registriert:
    Klaras Vater ist Fernfahrer und verbringt den ganzen Tag allein in seinem Sattelschlepper. Das Radio ist meistens eingeschaltet und sobald er das gespielte Lied kennt – und er kennt fast alle, da das Radio ständig läuft – singt er lauthals mit. So singt er praktisch den ganzen Tag vor sich hin.
    Er hat dann natürlich auch Tendenz, das auch zu Hause zu tun, aber das verträgt seine Frau nicht und sagt bei solcher Gelegenheit: „Du würdest besser den Mund halten, lass du die mal lieber alleine singen, du ‚verschandelierst’ das ganze Lied…“
    Klara hielt sich später an diese Regel, wenn sie alleine war, sang sie den ganzen Tag (wie der Vater), aber in Gegenwart anderer „hielt sie besser den Mund“.
    Wir erklären Klara, dass nicht sie es war, auf die sich diese Bemerkung bezog, sondern ihr Vater, und dass sie, Klara, sehr wohl die anderen beim Singen begleiten durfte, was sie dann auch gleich am nächsten Tag tat.
     
  3. Alles was unsere Vorfahren erlebt haben, bevor wir gezeugt wurden, steht unserem Gehirn ebenfalls zur Verfügung. Wir „lernen“ aus ihren Erfahrungen.
    Manchmal sind wir aber auch – aus einer gewissen Familienloyalität heraus – unbewusst dazu angehalten, Dinge in unserem Leben zu wiederholen.
     
    Beispiel:
    in Junge lügt immer und gibt vor allen Dingen nicht zu, was er angestellt hat, auch wenn die Mutter ihm versichert, dass sie ihn nicht bestrafen wird, wenn er nur die Wahrheit sagt. Er streitet weiterhin strikt alles ab, obschon alle (er auch) wissen, dass er es war.
    Man versteht sehr schnell sein Verhalten, wenn man erfährt, dass seinem Großvater im zweiten Weltkrieg in einem Verhör derart zugesetzt worden war, dass er letztendlich geredet hatte. Anschließend hatte man ihn erschossen, obschon man ihm zugesichert hatte, ihn am Leben zu lassen, wenn er gestehe und die Namen seiner Kameraden nenne…
    Dieses Programm wird im Computer Gehirn gelöscht, indem man dem Jungen erklärt, dass das, was seinem Großvater passiert ist, ihm niemals passieren wird, d.h. dass wir nicht mehr im Krieg sind, dass niemand ihn erschießen wird, wenn er zugibt, was er angestellt hat. Die Mutter bestätigt sofort, dass sie ihn wirklich nicht bestraft, wenn er die Wahrheit sagt.
    Der Junge versteht, verspürt große Erleichterung und ändert sein Verhalten.
    (Er kannte die Geschichte seines Großvaters nicht.)
     
    Daraus verstehen wir auch des Weiteren, dass in unserem Gehirn schon seit Jahrtausenden gewisse Verhaltensmuster in Stresssituationen, in Not- oder Gefahrensituationen, einprogrammiert sind.


    Diese Informationen enthalten Auszüge aus dem Buch "Biologisches Dekodieren - So befreien Sie Ihr Kind". Nähere Informationen zum Buch und versandkostenfreie Bestellmöglichkeit: 
    www.resonaris.de/biologisches-dekodieren-buecher-von-angela-frauenkron-hoffmann.shtml